Das Projekt KafkART. Intermediale Begegnungen


Die Wanderausstellung „Kafka in der zeitgenössischen Kunst“ der Deutschen Kafka-Gesellschaft wird vom 19. Oktober bis zum 12. November 2011 in der Galerie „101“ der Vytautas Magnus Universität in Kaunas gezeigt. Sie wird begleitet von einer vielfältigen Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Lesungen, Workshops und Wettbewerben, Film- und Theateraufführungen.


Wie der Titel „KafkART“ bereits andeutet, ist es Ziel des Projekts, das Verhältnis der Künste auszuloten und hierdurch neue Zugänge zu Leben und Werk des Prager Autors zu eröffnen. Vier Wochen lang wird in der Galerie „101“ nicht nur die Ausstellung „Franz Kafka in der zeitgenössischen Kunst“ zu sehen sein, sondern auch zahlreiche Veranstaltungen, die ihrerseits die Literatur Kafkas in einen spannenden Dialog mit den Künsten treten lassen.

Die Wanderausstellung geht zurück auf einen Wettbewerb in Deutschland. 2006 lud die dortige Kafka-Gesellschaft Künstler dazu ein, sich mit Leben und Werk künstlerisch auseinanderzusetzen. Aus insgesamt 40 Einsendungen wurden von einer Jury 25 Kunstwerke – darunter Gemälde, Grafiken, Videoarbeiten und Fotografien – ausgewählt. Seit 2006 werden diese im Rahmen einer  Wanderausstellung gezeigt und waren unter anderem in Berlin und Bonn, Düsseldorf oder auch Leipzig zu sehen. Ab dem 19. Oktober lädt nun die Ausstellung auch in Kaunas dazu ein, Kafka durch und mit Kunst neu zu entdecken.

Begleitet wird die Ausstellung von einem vielfältigem Veranstaltungsprogramm, das der Lehrstuhl für deutsche und französische Philologie in Kooperation mit der kunstwissenschaftlichen Fakultät der Vytautas Magnus Universität vorbereitet hat. Bildende Künstler und Wissenschaftler, Regisseure und Schriftsteller, Schüler und Studierende beteiligen sich an einer einzigartigen Veranstaltungsreihe, mit der die Veranstalter Kaunas vier Wochen kafkaisieren möchten.

Wissenschaftliche Vorträge, etwa die Vorträge „Kafka im Kontext der künstlerischen Moderne“ von Frau Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Düsseldorf) am 20. Oktober 2011 und „Emotional Understanding A Fresh Perspective on Kafka“ von Jean-Pierre Palmier (Bielefeld) am 09. Oktober 2011, bilden nur eine Facette des reichhaltigen Programms, das für jeden etwas zu bieten hat. Zu erwähnen sind neben einer Veranstaltung zu performativer Kritik von Prof. Dr. Gintautas Mazeikis unter anderem die zahlreichen Workshops, die sich insbesondere an Schüler und Studierende richten. So lädt etwa der Kaunasser Künstler Dr. Tomas Pabedinskas mit seinem Fotoworkshop am 25. Oktober dazu ein, Kafka mit der Kamera in der Hand zu entdecken, während Dr. Laurynas Katkus junge Autoren und solche, die es werden möchten, in seiner Schreibwerkstatt vom 7. bis zum 11. November 2011 Wege aufzeigen wird, sich literarisch von Kafka inspirieren zu lassen.

Für Schüler mit Deutsch als erster Fremdsprache bietet das Programm dabei etwas ganz Besonderes: Aufbauend auf eine spielerische Einführung in das Werk Kafkas am 25. Oktober 2011 haben sie Gelegenheit, sich in einer von Mindaugas Gelunas geleiteten Animationswerkstatt am 28. Oktober 2011 künstlerisch mit Kafka auseinanderzusetzen.

Zwei Diskussionsveranstaltungen, zum einen die Podiumsdiskussion „Intermediale Begegnungen“ am 27. Oktober 2011, zum anderen die Diskussion „Kafkas Rezeption in Litauen vor und nach 1990“, bringen zudem Wissenschaftler und Künstler an einen Tisch, um interdisziplinär den vielfältigen Fragen, die die Ausstellung aufwirft, nachzugehen. Als besonderes Highlight ist hervorzuheben, dass letzgenannte Podiumsdiskussion begleitet wird von einer Vorführung des Filmes „Procesas“ von Algimantas Puipa wie auch von einer Präsentation der Theaterinszenierung des selben Romans von Saulius Varnas.

Ganz im Zeichen der Literatur steht die letzte Ausstellungswoche. Auftakt bildet die literarische Collage „Das Evangelium nach Kafka“ von Gregorij von Leitis (Lesung) und Michael Lahr (Einführung) am 7. November 2011, die eigens für ihren Auftritt aus den USA anreisen werden. Tags darauf am 8. November 2011 liest der Kaunasser Schriftsteller Markas Zingeris aus seinen neuesten Werken, wobei es ihm ein Anliegen ist, sich Kafka insbesondere vor dem Hintergrund von Identitätsfragen zu nähern. Schüler und Studierende laden am 10. November 2011 dazu ein, mit ihnen die kafkaeske Welt der „Verwandlung“ zu entdecken. Inszeniert wird Kafkas wohl bekanntester Text in einer Dramatisierung von Maria Ley-Piscator und  Gregorij von Leitis. Zu guter Letzt präsentieren am 12. November 2011 zur Finissage der Ausstellung die Teilnehmer der Schreibwerkstatt ihre Texte.

Ein solch vielfältiges Veranstaltungsprogramm ist nur durch die zahlreichen Förderer des Projekts möglich, das unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft Wilna steht. Als Hauptunterstützer sind natürlich die VDU und insbesondere die Stadt Kaunas, der Fonds für Kulturförderung der Republik Litauen und der Litauische Forschungsrat zu nennen. Weitere Partner und Unterstützer sind das TestDaF-Zentrum Kaunas, das Goethe-Institut Vilnius, die Österreichische Botschaft, das Litauische Nationale Fernsehen und Elysium - between two continents. Selbstredend wäre die Veranstaltung nicht realisierbar, ohne die Unterstützung der Deutschen Kafka-Gesellschaft und des Bernstein-Verlags, der einen Nachdruck des zweisprachigen Katalogs in Litauen möglich machte.

Insgesamt laden Ausstellung und Veranstaltungsprogramm vier Wochen lang zu einer Entdeckungsreise ein, auf den Spuren Franz Kafkas den neuen Möglichkeiten eines Dialogs der Künste und Wissenschaften nachzuspüren und sich von den dargebotenen kafkasken Welten inspirieren zu lassen. Da bleibt abschließend nur zu sagen: Ein Besuch lohnt sich!